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Donnerstag, 7. Februar 2008

wohnküche

Ich wohne jetzt offiziell in meiner Küche. Ein bisschen schade eigentlich, nutze ich so doch nur ein gutes Drittel der Wohnfläche hier oben.
Zu Anfang war es auch nur der Laptop auf dem Küchentisch - nach der Erkenntnis, das wäre der einzige Ort mit einigermaßen erträglichem W-LAN-Empfang.
Leider sind die Küchentische in den gestellten Azubi-Wohnungen immer ein wenig wackelig und klein. Also stand da plötzlich wie von Geisterhand der Schreibtisch aus meinem unbewohnten Zweitzimmer vor dem Küchenfenster.
Von Geisterhand ist natürlich die Untertreibung des Jahres, hat mich das Teil doch Blut und Wasser schwitzen lassen.
Aber selbst ist die Frau und ich bin ja schon groß. Meistens.
Tja, und da sich cineastische Meisterwerke vom bequemen Bett aus viel gemütlicher rezipieren lassen als von einem blöden Bürostuhl, auf dem man eh den ganzen Tag schon hockt, liegt hier jetzt auch noch mein Lattenrost inklusive Matratze.

Ich hoffe auf baldige Besserung. Angeblich lässt der DSL-Anschluss der Nebenan-Nachbarn nicht mehr allzulang auf sich warten und ich bin nicht mehr auf das schwache Erdgeschoss-Signal eines Kollegen angewiesen, dessen UMTS-Anbieter derzeit zu allem Unglück und aufgrund technischer Probleme nur GPRS zur Verfügung stellt - das Problem besteht natürlich ausschließlich hier. In Restpaderborn funktioniert alles vorzüglich.
Murphy's Law. Definitiv.
Surfen mit 56k-Modem-Speed ist eine Erfahrung, die ich eigentlich nie wieder machen wollte, verdammt.

besuch

Es klingelt an der Tür.
Nein, eigentlich ist es weniger ein Klingeln als dieses unangenehme Summgeräusch, welches der Schalter vor meiner Wohnungstür verursacht, wenn man nur fest genug darauf herumdrückt.
Ich öffne.
Ein großgewachsener Mann mittleren Alters mit einer Tupperdose voller Schrauben, Dübel und Nägel, sowie einer undefinierbaren langen dünnen Plastikstange in Händen und einem Akku-Schrauber unter einer seiner Achseln starrt mich an wie einen Geist.
I see. Das ist also mein Blind Date mit dem Facility Management.
"Sie kommen wegen der Jalousien?" - Ein breiter Mund grinst mir entgegen und der nickende Kopf impliziert, meine Vermutung war nicht ganz abwegig.
"Fantastisch! Kommen Sie doch rein!" - "Naja, mal sehen, wie fantastisch." - Oh, er kann sprechen! Und das mit einem eindeutig als niederländisch identifizierbaren Akzent.
Interessiert marschiert er durch mein Zimmer und begutachtet das defekte, traurig an meinem Fenster herabhängende Ding von allen Seiten. Auf der linken Seite fehlt der Drehstab um die Lamellen zu öffnen bzw. zu schließen. Deswegen wohl diese seltsame Plastikstange, mit der er so ein bisschen hilflos in der Gegend herumfuchtelt bis er sich entschließt mich doch um Hilfe zu bitten. "Sie haben nicht zufällig eine... Papierklammer?" Ein wenig verwirrt fummele ich in meiner Schultasche herum und reiche ihm eine pinkfarbene Büroklammer - farblich zweifelhaft, doch in diesem Moment das erste, was mir in die Hände fällt. Sein Gesicht verzieht sich abermals zu einem breiten Grinsen und geschickt befestigt er den Drehstab mithilfe der Klammer an der Jalousie.
Ich bin ein bisschen begeistert über die kreative handwerkliche Maßnahme - das ist ein Mensch nach meinem Geschmack!
Der Rest ist dann auch nur noch ein Klacks: neuen Dübel in das Loch in der Wand und festgeschraubt die gesamte Fehlkonstruktion. Ich lasse ihn dafür ein Weilchen allein und mache ein bisschen Krach in der Küche, bis er freudestrahlend in der Tür steht und mir ein begeistertes "Fertig!" entgegen brüllt.
"Wie schön!" - "Noch was?" - Mit einem "Äh nein, nicht soweit ich weiß. Aber vielen Dank und auf Wiedersehen!" schiebe ich ihn langsam zur Tür hinaus. - "Oh, ok. Naja, Wiedersehen! Und ein schönes Tag noch!" Ja danke, gleichfalls. Das Badewasser, das ich mir nach dem vorangegangenen Fitnesstraining zu gönnen gedacht hatte, ist natürlich längst kalt.
Dass Handwerker aber auch immer so ein besch...eidenes Timing haben müssen...

Aber mit dem guten Gefühl im Bauch, die Jalousie wird mir jetzt nicht mehr jedes Mal entgegen stürzen wenn ich versuche sie zu öffnen oder schließen, beschließe ich gleich ein wenig am Drehstab herumzuspielen und betrachte fasziniert meine pinkfarbene Büroklammer, deren Existenz nun eine ganz neue Bedeutung bekommen hat.

Das sind die echten Wunder des Alltags...

back in town

Paderborn müsse man lernen zu mögen, meinte der nette Herr von der Tankstelle einst. Mit viel Spucke und Geduld könne da was draus werden.
Ich bin mir nicht sicher wieviel Zeit und Spucke ich noch zu investieren bereit bin. Beste Freunde werden wir nie, diese Stadt und ich. Doch wir lernen langsam aber stetig miteinander umzugehen und uns nicht in die Quere zu kommen. Wenn man gewisse Eigenheiten des jeweils anderen mit Rücksicht betrachtet und bereit ist damit zu leben, dann wird das Nebeneinanderherexistieren um Einiges leichter.

Ich erinnere beispielsweise einen gleißenden Sonntagmorgen vor ein paar Tagen, an dem Sonnenlicht krachend auf meinem Balkon aufschlug, wie ein berstendes Raumschiff vor dem Fensterglas explodierte und mich sanft aus dem Schlaf riss. Was für ein Beginn für einen eigentlich ziellosen Tag!

Das Licht am Morgen ist so ganz anders als das Licht am Abend oder zur Mittagszeit. Kühl und doch kraftvoll, klar und zielstrebig, nur darauf aus die Welt zu erwecken und gierig zu machen auf den neuen Tag. Es lauert zwischen den Baumwimpfeln und hangelt sich langsam herab während du noch im Schatten wandelst, und plötzlich trifft es dich mitten ins Gesicht.

Zehn ist die magische Uhrzeit im Park. Von da an wird das Joggeraufkommen unerträglich. Jäh verflüchtigt sich die Ruhe, bemooste Bäume bieten kein Versteck mehr, denn sie sind einfach überall! Keuchend, japsend und trampelnd drehen sie Runde um Runde. Unmenschliche Entschlossenheit. Was bringt einen Menschen dazu stundenlang im Kreis zu laufen wie ein Hamster im Laufrad?

Ich trete den Rückzug an mit einem Kopf voller wirrer Gedanken und dem Morgenlicht eingesperrt in meine Kamera.

Hier ist alles ein bisschen anders. Und Gewässer haben gesichtslose Nummern anstelle von Namen.


brand new start

Zeit für einen blogtechnischen Neuanfang, dachte sich mein etwas gelangweiltes Ich. Möbelrücken und Wände neu streichen reicht einfach nicht mehr. Wir brauchen ein neues Wohlfühlwohnzimmer mit viel Platz für dumme Ideen und Geschichten aus einem alltäglichen Unalltag.

Getreu dem Motto "Der Weg ist das Ziel" weiß ich noch nicht, wohin uns das führt, aber nehmt doch erst einmal Platz und den obligatorischen Keks.

Die Insel ist nicht Vergangenheit, doch wird es Zeit, sich weiter zu öffnen, abseits der Isolation zwischen glutroten Früchten, denn auch das süßeste Erdbeerfeld bereitet einem irgendwann nur noch Magenschmerzen.

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