Olfaktorische Folter ist die schlimmste.
Ist etwas unerträglich hässlich, schließt du die Augen oder drehst dich weg.
Bei ohrenbetäubendem Krach verlass dich auf Ohropax.
Nur was, wenn der Mensch auf dem Sitz neben dir diesen würgreizauslösenden Geruch verströmt, dieses Eau de Ekel, den süßlichen Duft der Verwesung, dieses Zwei-Wochen-nicht-gewaschen-Aroma?
Der Zug ist vollgestopft wie üblich so kurz vor den Ferien, du sitzt eingequetscht am Fenster auf dem letzten noch freien Platz und versuchst deine Nase über die Lüftung zu halten.
Du wünschst dir, dieses wäre ein Raucherabteil und sehnst dich nach befreiendem Zigarettenqualm. Du ziehst dir dein Halstuch über die Nase und hoffst niemand findet das seltsam - obwohl, eigentlich ist dir das gerade sehr egal, und du hoffst bei jeder Station, dass dieser Typ endlich aussteigt.