Montag, 12. Mai 2008

zwei oder drei worte zur frauenbewegung

Man liest ja derzeit viel über Feminismus.
Schlagworte Alice Schwarzer, Börne-Preis-Rede, Alphamädchen, Wellness-Feminismus etc.

Und manchmal, so manchmal heimlich still und ab und zu auch mal laut, frage ich mich wer kämpft denn da eigentlich für was und gegen wen?
Alice kämpft für die Welt. Hat sie ja gesagt. Und für die Frauen - in der ganzen Welt.
Alphamädchen findet sie blöd. Weil die eigentlich nichts anderes machen, als Früchte zu ernten, die jemand anderes mal gesäht hat - was bedeutet, dass sie mit Schwung offene Türen einrennen und so tun als hätten sie das Rad neu erfunden. Schließlich geht's ihnen ja doch nur um Karriere und finanzielle Gleichberechtigung. Für was sollte man in der westlichen Welt denn sonst noch so kämpfen als Frau?
Frau Schwarzer hat eher den Rest der Welt vor Augen, den Kampf für Menschenrechte, Frauenrechte, gegen Unterdrückung - imho sehr hehre Ziele. Weitermachen!

"Es sind vor allem Rollenklischees und Rollenerwartungen, die junge Frauen nicht das Leben führen lassen, das sie sich ausmalen. Sie starten mit tollen Schul- und Berufsabschlüssen, haben von ihren Eltern gehört, dass ihnen die Welt offensteht. Und dann begegnen sie dem sexistischen Chef, dem überforderten Ehemann, den ehrgeizigen Freundinnen, den traditionsbewussten Bekannten. Sie erwarten von einer jungen Frau etwas anderes, als diese eigentlich tun wollte. Die junge Frau solle doch lieber wieder die zurückhaltende Nette sein, im Berufsleben einen Schritt zurücktreten, solle sich für die Familie aufopfern, bitte nicht zu laut sein oder zu viel verlangen."
(Die "Alphamädchen" antworten auf Alice Schwarzer)

Dagegen kämpfen die Alphamädchen also. Anbrüllen gegen (imaginäre) Mauern in (Männer?-)Köpfen. Aha. Brauchen wir das? Ist das denn wirklich noch so, dass von Frauen erwartet wird, sich in ihr angestammtes Rollenklischee zu fügen? Ist es nicht eher so, dass man als intelligente junge Frau heute allervielerorts (Studium, Job etc.) ermuntert wird, seine eigenen Wege zu gehen? Liegen nicht viele Probleme, die wir Frauen uns einbilden zu haben, eigentlich in der eigenen Persönlichkeit begraben? Mangelnde Flexibilität, fehlendes Selbstbewusstsein, ständiges Bedürfnis sich anpassen zu wollen um möglichst wenig aufzufallen, mangelnde Bereitschaft Entscheidungen zu treffen?
Ja genau. Entscheidungen. Ich bin keine Eva Herman. Ganz im Gegenteil. Aber mal so rein biologisch: Männer tragen keine Kinder aus. Das übernehmen wir Frauen, wenn auch ganz unfreiwillig. Männer müssen sich nicht entscheiden zwischen Kind und Karriere - wir schon.
Aber! Aber!! Aber!!! Gleichberechtigung! Das geht! Wir können das! Alles! Auf einmal! - Natürlich. 70 Wochenarbeitsstunden, an drei Tagen der Woche durch die Welt jetten und nebenbei für die Kinder da sein. Kein Problem. - Aber der Mann könnte doch die Kindererziehung übernehmen und daheim bleiben! - Auch klar. Jede erfolgreiche Frau freut sich über das Pantoffeltier, das vorm Herd steht und ihr nach dem frisch zubereiteten Mahl die Fingernägel lackiert wenn sie abends gestresst nach Hause kommt. Kein Ding, der Traum einer jeden.
Was nicht bedeutet, dass frau nicht erfolgreich sein und gleichzeitig Familie haben dürfe. Dann wird frau aber selten die Karriereleiter ganz nach oben erklimmen - nicht weil sie es nicht könnte, nein, weil sie vielleicht einfach nicht den Ehrgeiz entwickelt. Weil andere Dinge wichtiger sein können als Macht und Ruhm. ("Frau Bundeskanzlerin, wieviele Kinder haben Sie?" - "Öhm. Keins." - "Danke für die ehrliche Antwort.")

Mal ganz ehrlich, sollte man nicht bevor man ganz laut schreit, dass Frauen einfach alles können, ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Frauen ebenso wie Männer eben auch nicht alles können können? Und schon gar nicht alles auf einmal und sofort?
Sollte man nicht sich seiner eigenen Ziele klar werden und Wege definieren, auf denen man diese Ziele erreichen kann - ganz für sich selbst?

Ich will kein Alphamädchen sein und ich brauche keine Frauenbewegung. (Achtung Kalauer-Alarm: deswegen war ich auch nie beim örtlichen Aerobic-Kurs.) Ich erledige die Dinge so, wie ich sie für richtig halte. Nicht immer geradlinig, aber doch meist zielführend.

"Eine Gruppe, die so heterogen ist wie die der Frauen, kann kaum solidarisch handeln. Deshalb war die Frauenbewegung nie eine Massenangelegenheit, die Hartz-IV-Migrantin und die Arztgattin haben zu wenig miteinander zu tun.

Die Wir-Mädchen-um-die-dreißig-Bücher schaffen vielleicht eine lipglossschnutige Betroffenen-Peer-Group, die Interessenpolitik betreibt. Sowas macht auch der Bauernverband. Das ist okay, aber die Emanzipation kommt so keinen Schritt voran."

(Barbara Gärtner: Die Work-Wife-Balance)

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Ich werd sie bei Gelegenheit...
zuckerkick - 2. Jul, 17:17
Naja, das mit den "richtigen"...
zuckerkick - 2. Jul, 17:16
Ein hervorragender zwanzigster...
zuckerkick - 30. Jun, 17:47
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herzwaerts - 28. Jun, 15:17

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