20:19 - Überraschungsbesuch. Weißwein im Gepäck. Ich bin gerettet. Und raus. War das aber kurz. Ich melde mich evtl. später zurück.
20:18 - Der No Angels Song strotzt nur so vor Langeweile.
20:16 - Eurovision Song Contest Countdown 2008... Oh, der Hermanns. Wusste gar nicht, dass der moderiert. Was für ein Pferdegebiss.
20:15 - Ich bin in freudiger Erwartung dessen, was kommen möge.
20:14 - Wetter. Sieht doch gut aus.
20:13 - Die Lottozahlen. Wie gut, dass ich nie spiele. Ich würde immer nur verlieren.
Uninformiert. Uninteressiert. Gelangweilt ohne Ende.
Schau mer mal...
Lange Wochenenden daheim bringen es mit sich, dass ich bei schlechtem Wetter doch ab und zu in die Versuchung komme, den Fernseher einzuschalten. Selten genug hab ich die Gelegenheit dazu, also mal schauen, was zur Zeit in der Glotze so läuft. Irgendwie bin ich ja doch neugierig.
Donnerstags-PrimeTime: Erst irgendsoein Donna Leon(?)-Krimi. Commissario Brunetti. In Venedig. Deutsche Produktion. Mama mag sowas und deswegen hocken wir mit ein paar Gläsern Rotwein auf der Couch. Ich finde es ja sehr gewöhnungsbedürftig, dass in Venedig alle Leute in regionalen deutschen Dialekten sprechen. So wie Brunettis Sidekick, der gern so ein bisschen berlinert. Zumindest kauft man Uwe Kockisch den Commissario mit gutem Willen einigermaßen widerstandslos ab. Ich erinnere mich an einen Joachim Król, den ich sonst wirklich ganz großartig finde, dem man aber seinen deutschen Phlegmatimus noch angemerkt hätte, selbst wenn er die ganze Zeit fließend italienisch sprechend durch Venedigs Kanäle gepaddelt wäre.
Später Germany's Next Top Model. - Ach, das gibt's noch? Ich weiß noch wie mich vor kurzem im Supermarkt meine Lieblingskassiererin darauf ansprach, dass sie am Abend zuvor auf der Couch eingeschlafen war und so nicht verfolgen konnte, wer von den Mädels rausgeflogen war. Dummerweise befand ich mich in der Bredouille ihr auch nicht weiterhelfen zu können und so musste sie sich enttäuscht an die nächste Kundin wenden. Ich glaube, es sind momentan noch fünf junge Damen im Rennen. Ich war erschrocken, in eine handvoll sehr beliebige Gesichter zu blicken. Würde mir sehr schwer fallen, auch nur eine von ihnen wiederzuerkennen, wenn sie an der Supermarktkasse vor oder hinter mir in der Schlange stünde. Aber komisch über den Laufsteg dackeln können sie ja schon ganz gut. Nur ohne Schminke sollte man ihnen nicht begegnen. Mein erster Gedanke war unterernährt, so dass ich schnell zum Kühlschrank flitzen musste, um mir einen Schokopudding zu Gemüte zu führen. Ich finde, diese Art Sendungen sind nichts für die schlanke Linie. Ich seh da nur einen Haufen Anti-Vorbilder. Wer will denn bitte mit Kleidergröße 34 und eingefallenem Gesicht an einer Zigarette nuckeln müssen nur um seinen Hunger zu unterdrücken?
Ich würde außerdem ein Seminar zur Persönlichkeitsentwicklung empfehlen. Offensichtlich hat den Mädels noch niemand erzählt, dass Schönheit austauschbar und Jugend vergänglich ist und man da irgendwie noch ein bisschen was anderes bräuchte um irgendwo Spuren zu hinterlassen.
Freitag Nachmittag: Ich mag etwas plätschernde Unterhaltung zu meinem Kaffee und Kuchen. Aber was ist das?! Deutschland deine Teenies?! Steffi ist 14, sieht aber Gott sei Dank schon aus wie mind. 4 Jahre älter. Deswegen finde ich es auch seltsam, dass sie sich in der Stadt mit ihrer Mutter trifft, um gemeinsam mit ihr die Gynäkologin ihres Vertrauens aufzusuchen. Natürlich lässt sie sich am vereinbarten Treffpunkt von Mama mit einer Kippe im Mund erwischen. Man muss ja die Dramaturgie dieser Sendung ein bisschen aufpeppen, Konflikte schüren und so. Mama flippt ein wenig aus und zerrt Steffi zur Frauenärztin. Steffi hat nämlich schon seit ein paar Wochen einen festen Freund. Aha, ich erkenne, dieses Programm soll aufklären. Wie toll! Bravo TV für Zurückgebliebene? Steffi und ihre Mama sitzen bei der Frauenärztin und Steffi betont die ganze Zeit, dass Mama gern hätte, dass sie die Pille nimmt, damit Mama nicht bald noch so ein Balg an der Backe hat. Natürlich geht das nicht so einfach und außerdem soll Steffi das ja selbst wollen müssen und nicht ihre Mama, sagt die Frauenärztin. "Wie wäre es denn, wenn du erstmal zu deinem Freund gehst, der wahrscheinlich sehr sehr sehr verständnisvoll ist, und ihm sagst, dass ihr das Ding mit dem Sex und so ja erstmal sein lassen könnt?" Trockenübungen können ja auch sehr schön sein. Und Steffi ist jetzt aufgeklärt. Irgendwie so. Mama ist überzeugt, dass ihre Tochter bis mind. Anfang 20 noch keinen Geschlechtsverkehr haben will und alle sind glücklich. Steffi muss auch gleich zu den Obercheckern mit den Skateboards, die vor der Frauenarztpraxis rumhängen und kann es gar nicht abwarten, ihrem Freund davon zu erzählen. Leider ist die Sendung dann aus und dem Zuschauer werden die Begeisterungsstürme des jungen Mannes vorenthalten.
Freitags-PrimeTime: Die Kocharena! Kochen wie die Profis liegt ja bekanntlich voll im Trend, man beachte all die Kochsendungen, die täglich neu aus dem Boden sprießen. In der Kocharena treten Laien, die allerdings alle schonmal beim perfekten Dinner gekocht haben, gegen Profiköche, u.a. Tim Mälzer, an. Drei Gänge. Der Gewinner bekommt Geld, Ruhm und Ehre. So oder so ähnlich. Bewertet wird durch eine Jury, bestehend aus zwei professionellen Food-Kritikern und Reiner Calmund. Während den beiden Profis jeweils zwei Bissen zur Bewertung ausreichen, kratzt Reiner auch noch den letzten Rest von jedem Teller zusammen, um hinterher unkritisch zu bemerken "War dat aber lecker!".
Kommentiert wird das ganze von zwei alten Hasen des Formel 1 Zirkus: Heiko Wasser und Florian Silbereisen König. Während Flo wie gewohnt stilsicher durch die Arena wankt und den Köchen in die Töpfe schauen darf, lässt man den Berufsjugendlichen Wasser lieber auf der Tribüne sitzen. Vielleicht fällt das alberne Totenkopf-Sweatshirt ja niemandem auf.
Wir switchen noch schnell hinüber zu Maria Furtwängler am Tatort Pauline. Ich mag ja nicht alle Tatort-Kommisare, aber Frau Lindholm agiert immer wieder sehr patent und sympathisch, auch in diesem stargespickten Dorf-Krimi. "Überall zähflüssige Normalität..." lässt einer der Drehbuchschreiber sie sagen.
Ich schalte ab und bin mir sicher, dass es das sehr genau trifft.