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Sonntag, 22. Juni 2008

með suð í eyrum við spilum endalaust

So melodiös und einprägsam klingt der Titel des neuen Sigur Ròs Albums.

Für Menschen wie mich, die den vorab veröffentlichten Clip Gobbledigook (Zuckerkick berichtete hautnah hier) auf Dauerschleife und in groß und laut laufen ließen, bietet das Album wenn nicht unbedingt Enttäuschung dann doch großräumige Ernüchterung. Gobbledigook (ich mag den Titel) ist der wohl untypischste Song der Platte.

Die Isländer haben sich und ihre Musik auf Með suð í eyrum við spilum endalaust nicht neu erfunden: vielleicht ein bisschen optimistischer, reduzierter, weniger sphärisch als frühere Werke, doch immer noch die typisch verträumten Vocals unterlegt mit ruhigen, zerbrechlichen Melodien.

Wer Takk... mochte, wird auch Með suð í eyrum við spilum endalaust gut finden. Und wer Gobbledigook liebt, weil's einfach nur kickt, muss wohl weiterhin den Clip auf Schleife laufen lassen.

possession

Besessen von Dingen, die ich nie festhalten kann: den Himmel, das Meer, dich.

Und das Leben geht weiter wie immer. Nichts wird sich jemals ändern.
Ich hänge Träumen nach und verschwende mein Leben mit der Jagd nach Regenbögen und Schäfchenwolken.

Mag Schlimmeres geben, doch die Sehnsucht ist wie ein allgegenwärtiger Schmerz der so manchen Tag zur Qual werden lässt.

Ist doch zum kotzen.

"schnell!

Geben sie mir ein Pflaster! Ich bin gegen die Windschutzscheibe gebumst!"

Ev (Vivi Bach) in "Der verkaufte Großvater" (D, 1961)

richard

Richard - was für ein tonnenschwerer Name lastend auf den Schultern eines so kleinen Menschen, beladen mit dem klingenden Erbe von Königen, Helden und Intriganten. Richard geht in die 1b der Grund- und Teilhauptschule St. Wolkenbruch.

Richard ist ein bisschen pummelig und trägt einen dieser furchtbar hässlichen Topfschnitte, den man Kindern aus Mangel an Ideen manchmal verpasst. "Nehmen Sie doch den großen da, mit den Henkeln! Immer rauf auf den Kopf und einmal mit der Schere rum, bitte!" mag seine Mutter der Dame im Friseursalon zugerufen haben, bevor sie kurz nebenan im Supermarkt verschwand um die Einkäufe zu erledigen, während Klein-Richard gar nicht wusste wie ihm geschah. Und dann stand er da, das blonde Haar zur Eisenherzschen Kappe gestutzt.

Richard ist der Klassenstreber. Wenn man ihm die Brille klaut, ist er blind wie ein Maulwurf. Die anderen Kinder wissen das - und sie klauen seine Brille mit Vorliebe.
Richard redet lieber mit Erwachsenen, denn die wissen soviel mehr. Wenn man Richard etwas erklärt, bekommt er dieses Leuchten in seinen kleinen blauen Augen. Die Räder in seinem kleinen Kopf beginnen sich zu drehen. Es rattert und raucht und dann will er ausprobieren und auch mal diese oder jene Tasten drücken um zu sehen, was passiert. Schenkt man ihm ein Buch, dann hält er es behutsam wie einen Schatz in seinen kleinen knubbeligen Händen mit den viel zu kurzen Fingern. Nein, ein Klavierspieler wird er nie werden, der Richard. Wissenschaftler schon eher.

Aber schüchtern ist er nicht, der Richard. Überzeugt erklärt er mir seine Empörung darüber, dass gewisse Dinge nicht so funktionieren, wie er sich das gedacht hatte. Meinen Namen weiß er nicht. Mein nett gemeintes "Nenn mich Sissi. Das tun hier alle." stellt ihn nicht zufrieden. Schnurstracks geht er auf mich zu und zerrt an meinem Mitarbeiterausweis, der mir vergessen an der Hüfte baumelt. "Frau S. Aha. Werd ich mir merken."
Und dann lässt er mich stehen, ganz verdutzt und verschwindet mitsamt seinem schelmischen Grinsen durch die Tür auf den Flur zu den anderen Kindern - und lässt sich die Brille klauen.

Richard. Aha. Werd ich mir merken.

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