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freizeitbeschäftigung II

Älter sind sie geworden. Und wieder solo. Vergessen wollen sie. Der Jurist und der Wirtschaftsinformatiker.
Sie erkennen mich nicht gleich. Ist immerhin fast fünf Jahre her. Die vergangenen Semester haben Spuren hinterlassen, auch auf ihnen. Nicht wie Fußstapfen im Schnee, die nach kurzer Zeit vergehen. Eher wie Narben auf der Haut, die man ein Leben lang mit sich herumträgt. Ich suche Lockerheit vergebens.
Angestrengt unterhält man sich unterhalte ich ("Wie, du wohnst jetzt in Bayern, Sissi? Bitte sag nochmal Oachkatzlschwoaf!" Das Handy schneidet mit.) eineinhalb Stunden, bevor wir aufbrechen - in eine Welt, in der ich nie sein wollte. Von der ich immer wusste, dass sie mir nicht passt, und in die ich mich schlussendlich nun doch begebe, nur um bestätigt zu sehen, was ich immer wusste.
Menschenmassen. Ein Beat, der alles durchdringt. Der Titel unter dem dieser Abend diese Nacht steht, straft alles Lügen, was an diesem Ort heute geschieht. Nein, das rockt nicht. Das danct, das houst, das schranzt und bumst vielleicht. Nur rocken tut hier niemand.
Menschen vor mir, neben mir, hinter mir. Kalte Haut, warme Haut, heiße Haut, feuchte Haut, weiße Haut, dunkle Haut scheuert sich an meiner. Zigarettenbrandmale auf meinen Armen. Enge. Alles schiebt. Hinaus. Hinein.
Ich gehöre zur eigenen Minderheit der desillusionierten, dehydrierten, gelangweilten Mitzwanziger, die sich elegisch durch die Masse treiben lassen. Alles Minderjährige, denke ich und fühle mich wie Oma. ("Ey, Mandy, das find ich echt mal gar nicht gut, ey. Zuviele Leute, ey. Und das ganze Parfum von den Leuten, ey. Da werd ich voll klaustrophodings... ey.")
Ich stehe, wippe, schaue. Je stumpfer der Beat desto wilder und wirrer meine Gedanken.
Ich fühle. Ich will hinaus und wieder atmen.
Ich verstehe nicht die Menschen, die dieses hier Spaß nennen. Ich verstehe nicht die hämmernden, alles betäubenden Bässe.
Meine Begleiter haben mich lange verlassen. Wie sollte man hier auch beieinander bleiben, ohne sich ständig an Händen zu halten. Hände, die anderes, wichtigeres zu tun haben. Getränke chauffieren, Hintern begrapschen.
Ich will nicht wieder gehen, ohne alles gesehen gehört zu haben und so lasse ich mich drücken, schieben, quetschen. Von einem Raum zum anderen. Von vorne nach hinten. Von links nach rechts. Eine halbe Stunde dauert das, vom ersten bis zum letzten "Floor". Dort angekommen, drehe ich auf dem Absatz um und lasse mich eine halbe Stunde wieder zurück schieben, nur um dann die Lokalität fluchtartig zu verlassen.
Meine Jacke liegt noch bei ihm im Auto, doch ich habe gelernt. Haustürschlüssel in Hosentaschen stolpere ich durch die Dunkelheit. Gottseidank bin ich heute nicht rückenfrei. Trotzdem ist mir so eisig, dass mir schon wieder warm wird.
Schlappschwänzin wird er morgen sagen. Wieso ich denn schon so früh gegangen sei.
Ich erinnere mich an diesen Satz die Sätze meines Großvaters: "Wie, das beginnt erst um zehn? Um diese Uhrzeit sind wir damals wieder nach Hause!"
So ändern sich die Zeiten. Wahrscheinlich bin ich nur zu spät geboren.

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