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heimatlos

Es ist gar nicht lang her, da beehrte mich einmal mehr der Gedanke daran, wie es wohl wäre für längere Zeit in einer Großstadt zu leben. Nicht P., nein, eine richtige Großstadt mit Kultur, Nischen-Kinos und schummerigen Bars mit Live-Musik und das jeden Abend.
Nicht dieses Einewochehieroderdaaufbesuchsein, nein, wohnen, leben, arbeiten, trinken, schlafen, essen, leben. 24-Stunden-Programm, das Gedanken einfängt und in andere Richtungen lenkt - mich dreht, weiter, nicht immer nur im Kreis.

Könnte man sich irgendwo noch einsamer fühlen als hier? Hier wo jeder jeden kennt, wo man grundsätzlich jedem auf der Straße ein fröhliches Hallo entgegenwirft, hier wo sich Fuchs und Hase (oder Igel?) Gutenacht sagen und der Hund begraben liegt? Hier wo ich mich heimisch fühle, aber nie zuhause? Weil ich anders rede, anders denke. Weil ich im Frühling keine Blumenkästen auf den Balkon hänge. Weil ich allein bin und doch irgendwie glücklich damit und der Junge, der mich ab und zu vor der Haustür absetzt oder abholt während die Nachbarn neugierig starren, mich halt doch immer nur absetzt und abholt aber nie meine Treppe erklimmen darf. Weil ich in keinem Verein bin. Weil ich am Samstag nicht die nächste Landdisco stürme. Weil ich seltsame Musik höre und komplizierte Bücher lese. Weil ich mit meinem Computer rede und mich manchmal darüber wundere, wie die Menschen hier ohne Email kommunizieren. Weil ich mich manchmal komisch anziehe. Weil ich ja auch nur sporadisch hier lebe und durchgedrehte alte Männer im Smart mich durchs Dorf verfolgen.

Auf dem Balkon sitzen und diese Dinge denken und es hier doch irgendwie wunderschön finden, während man in die Wolken starrt, die seltsame Gebilde am heute so blauen Himmel formen, während die Sonne langsam hinterm Haus versinkt. Während die Luft so nach Frühling riecht. (Oder nach der Gülle, die die Bauern auf ihre Felder kippen.)
Daran denken, dass man sich schon solang nirgendwo mehr zuhause gefühlt hat, weil zuhause ja eben mal kein Ort ist, sondern doch eher ein Gefühl. Weil man es selten irgendwo bei irgendwem länger aushält als ein paar Stunden, ein paar Tage. Ein paar Wochen. Weil da etwas ist, das einen treibt, das einen zieht.

Ich weiß nicht, was ich will, aber ich habe diese Ahnung, die von Tag zu Tag klarer wird.

Doch wenn er beginnt zu singen, dass man manchmal einfach weggehen und alles zurücklassen muss, befällt mich dieser Schmerz, von dem ich nicht weiß, woher genau er kommt. Von dem ich viel zu gut weiß, woher er kommt.

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