türchen no.4
Der Mensch an sich ist ebenso wenig geradlinig wie seine Wege im Leben. Man kennt die Phasen, in denen man nicht weiß, was denn morgen wird. Oder übermorgen. Nichtstun tut weh, aber Perspektivlosigkeit kann in dieser Situation sehr lähmend wirken und nicht immer kommt spontan eine realisierbare Lösung um die Ecke.
Ich hatte diese Phase nach dem Abitur, in der ich nicht wusste wohin denn mit mir. Die landläufige Meinung hieß damals, geh an die Uni, eine stinkige Ausbildung hättest du schließlich auch mit einem weniger qualifizierten Abschluss in weniger Zeit bekommen können, wäre ja Zeitverschwendung. Also ging ich an die Uni. Möglichst nah an Zuhause, mit vielen Bekannten um mich herum, eigenem WG-Zimmer und skurriler Fernbeziehung. Ich merkte ziemlich schnell, das ist nichts für mich. Nicht so, nicht in dieser Umgebung, nicht unter diesen Umständen. Ich fühlte mich allein, durchsichtig, unfähig und grau. Saß immer öfter wieder daheim und schämte mich zuzugeben, dass ich die falsche Entscheidung getroffen hatte. Wie erklärt man das denn Eltern, Verwandten, Bekannten? Besonders Eltern, die der Hoffnung fröhnen, ihr Kind könne doch irgendwann auf eigenen Füßen stehen und es bis dahin tatkräftig (nicht nur) finanziell unterstützen.
Vielleicht liegts ja an der Fachrichtung, wechseln wir doch den Studiengang, dachte ich voller Tatendrang, und gab doch vorsichtshalber meine eigenen vier Wände auf. Wohnen konnte man billiger daheim, auch wenn das bedeutete zu pendeln.
Irgendwann verbrachte ich mehr Zeit in meinem erfüllenden Nebenjob, Regalservice im Supermarkt, als mit irgendetwas, das auch nur ansatzweise nach Studium klang. Ich las das Wort "Scheitern" am Horizont und machte einfach die Augen zu, während daheim der Haussegen immer schiefer rutschte.
Auf Dauer konnte es so nicht weiter gehen und so begann ich mich nach Lehrstellen umzusehen - auch wenn das bedeutete meinen höher qualifizierten Abschluss zu "verschwenden". Einmal irgendwas mit Medien, bitte. Oder irgendwas (handwerklich) Kreatives. Meine Vorstellungen waren derart detailliert, dass ich keinen Zweifel daran hegte, dass meine Bewerbungen durchaus ernstzunehmen waren.
Nach einigen Absagen und einem Gruppenvorstellungsgespräch für eine Ausbildung zur Raumausstatterin bei einem großen schwedischen Möbelhaus, in dem die Mitbewerberinnen, 20 achtzehnjährige Blondinen, hauptsächlich mit Erzählungen von Kindergartenverschönerungsaktionen (pinkglitzernde Schmetterlinge!) punkten konnten, und ich mich fragte, wie ich am schnellsten da heraus käme, dachte ich mir, ich könne ja auch irgendwas mit Computern lernen. Das dachten sich dann auch die zwei Herren im nächsten Assessment Center bei einem großen deutschen Traditionsunternehmen und stellten mich, trotz halbstündiger Verspätung, zeitweiligem Sprachverlust und fehlender Manieren ein. Konnte ich mich direkt im Anschluss noch nicht so wirklich freuen (erster Gedanke: Ach du Schande, was soll ich denn da?), betrachte ich das Ganze jetzt als ultimativen Glücksgriff - vielleicht nicht ausschließlich, aber doch vorrangig für mich.
Warum ich das jetzt hier breit trete? Wahrscheinlich wegen der beunruhigenden Entwicklung im Leben meines Bruders: Hinschmeißen, wieder daheim einziehen, ohne Plan und Überzeugung was Neues anfangen und sich damit einigeln, weil das Eingeständnis eines Fehlers manchmal schwerer fällt, als einfach die Augen zuzumachen, wenn am Horizont ganz groß "Versager" geschrieben steht.
Ich musste mir vielleicht nur kurz vor Augen führen, dass normalerweise alles irgendwie gut wird. Meistens.
Ich hatte diese Phase nach dem Abitur, in der ich nicht wusste wohin denn mit mir. Die landläufige Meinung hieß damals, geh an die Uni, eine stinkige Ausbildung hättest du schließlich auch mit einem weniger qualifizierten Abschluss in weniger Zeit bekommen können, wäre ja Zeitverschwendung. Also ging ich an die Uni. Möglichst nah an Zuhause, mit vielen Bekannten um mich herum, eigenem WG-Zimmer und skurriler Fernbeziehung. Ich merkte ziemlich schnell, das ist nichts für mich. Nicht so, nicht in dieser Umgebung, nicht unter diesen Umständen. Ich fühlte mich allein, durchsichtig, unfähig und grau. Saß immer öfter wieder daheim und schämte mich zuzugeben, dass ich die falsche Entscheidung getroffen hatte. Wie erklärt man das denn Eltern, Verwandten, Bekannten? Besonders Eltern, die der Hoffnung fröhnen, ihr Kind könne doch irgendwann auf eigenen Füßen stehen und es bis dahin tatkräftig (nicht nur) finanziell unterstützen.
Vielleicht liegts ja an der Fachrichtung, wechseln wir doch den Studiengang, dachte ich voller Tatendrang, und gab doch vorsichtshalber meine eigenen vier Wände auf. Wohnen konnte man billiger daheim, auch wenn das bedeutete zu pendeln.
Irgendwann verbrachte ich mehr Zeit in meinem erfüllenden Nebenjob, Regalservice im Supermarkt, als mit irgendetwas, das auch nur ansatzweise nach Studium klang. Ich las das Wort "Scheitern" am Horizont und machte einfach die Augen zu, während daheim der Haussegen immer schiefer rutschte.
Auf Dauer konnte es so nicht weiter gehen und so begann ich mich nach Lehrstellen umzusehen - auch wenn das bedeutete meinen höher qualifizierten Abschluss zu "verschwenden". Einmal irgendwas mit Medien, bitte. Oder irgendwas (handwerklich) Kreatives. Meine Vorstellungen waren derart detailliert, dass ich keinen Zweifel daran hegte, dass meine Bewerbungen durchaus ernstzunehmen waren.
Nach einigen Absagen und einem Gruppenvorstellungsgespräch für eine Ausbildung zur Raumausstatterin bei einem großen schwedischen Möbelhaus, in dem die Mitbewerberinnen, 20 achtzehnjährige Blondinen, hauptsächlich mit Erzählungen von Kindergartenverschönerungsaktionen (pinkglitzernde Schmetterlinge!) punkten konnten, und ich mich fragte, wie ich am schnellsten da heraus käme, dachte ich mir, ich könne ja auch irgendwas mit Computern lernen. Das dachten sich dann auch die zwei Herren im nächsten Assessment Center bei einem großen deutschen Traditionsunternehmen und stellten mich, trotz halbstündiger Verspätung, zeitweiligem Sprachverlust und fehlender Manieren ein. Konnte ich mich direkt im Anschluss noch nicht so wirklich freuen (erster Gedanke: Ach du Schande, was soll ich denn da?), betrachte ich das Ganze jetzt als ultimativen Glücksgriff - vielleicht nicht ausschließlich, aber doch vorrangig für mich.
Warum ich das jetzt hier breit trete? Wahrscheinlich wegen der beunruhigenden Entwicklung im Leben meines Bruders: Hinschmeißen, wieder daheim einziehen, ohne Plan und Überzeugung was Neues anfangen und sich damit einigeln, weil das Eingeständnis eines Fehlers manchmal schwerer fällt, als einfach die Augen zuzumachen, wenn am Horizont ganz groß "Versager" geschrieben steht.
Ich musste mir vielleicht nur kurz vor Augen führen, dass normalerweise alles irgendwie gut wird. Meistens.
sallypoppins - 4. Dez, 10:32
