funktionsstörung
Sie war sich sicher, dass Odessa am Schwarzen Meer lag, obschon sie nie dagewesen war. Ganz bestimmt.
"Und jetzt füllen Sie bitte diesen Vordruck mit ihrer Antwort auf die Aufgabe Einspunktzwei!" - "Tut mir Leid, ich kann das nicht. Das ist mir zu trivial, Herr Seminarleiter."- "Mir ist das egal, aber wenn Sie das in der Prüfung auch so sehen, kann ich Ihnen leider nicht weiterhelfen, Herr B."
Odessa... das klang wie diese Sauerkrautsorte in Dosen im Supermarkt. Genau, einkaufen musste sie auch noch. Wovon sprachen die eigentlich? Und wie, zur Hölle, kam dieser Ort in ihren Kopf?
"Frau... Ach jetzt hab ich Ihren Namen vergessen..." - "Frau S." - "Achja, Frau S... Wären Sie so nett uns die Aufgabenlösung vorzustellen?" - "Nein, tut mir Leid, das geht nicht. Ich habe mich gerade gedanklich eingehend mit komplexen geografischen Problemen befasst und war somit nicht in der Lage..." Autsch. Könnte jemals ein Mensch sie verständnisloser anschauen als dieser gerade eben jetzt? Zweifellos. Doch sein Maß an zur Schau gesteller Verständnislosigkeit war schon recht rekordverdächtig.
"Ich verstehe euch junge Menschen nicht! Da sind Sie schon hier, um etwas zu lernen, aber die Motivation scheinen Sie daheim vergessen zu haben!"
Sein kahles Haupt sah ein bisschen aus wie die Spitze eines Penis während sich sein unförmiger Körper in wackelnden Bewegungen um die Seminartische schob. Hobbycholeriker mit Taschenuhr. Ein seltsames Männchen, von dem sie sich täglich aufs Neue fragte, was ihn so zerstört hatte. Eine Frau? Sein Pessimismus? Seine ewige Unzufriedenheit mit Allem?
"Frau S.! Jetzt lassen Sie das doch mal bitte! Diese ewigen Tagträume! Sie könnten zumindest so tun, als würden Sie mir zuhören!" Sie gluckste ein bisschen vor sich hin, grinste ihn frech an und schwor sofortige Besserung, so dass er ein mildes Lächeln kaum unterdrücken konnte.
"Hmpf. Ist sowieso Zeit für ne Mittagspause. Verschwinden Sie aus meinem Seminarraum! Aber seien Sie bloß pünktlich wieder da!"
Diese elend langen Gänge. Grau in grau. So musste man sich in einem Gefängnis fühlen. Fenster gab es nur zum Durchschauen, nicht zum Öffnen. Die Sonne schien nie so hell wie draußen durch die getönten Scheiben der Großraumbüros, wenn sie denn Fenster besaßen. Sie fühlte sich unwillkürlich an ihre Karriere im Supermarkt im Kellergeschoss eines Einkaufszentrums erinnert. Man erriet das Wetter draußen regelmäßig durch das Erscheinungsbild der Kunden. Tropfende Schirme oder ärmellose Tops und kurze Hosen. Schwerste Detektivarbeit.
"Sissi, was gibts zum Essen?" - "Hm?" - "Ach Gott, das darf ja nicht wahr sein! Du träumst ja sogar in den Pausen!" - "Tschuldigung. Ist ein Geburtsfehler."
"Und jetzt füllen Sie bitte diesen Vordruck mit ihrer Antwort auf die Aufgabe Einspunktzwei!" - "Tut mir Leid, ich kann das nicht. Das ist mir zu trivial, Herr Seminarleiter."- "Mir ist das egal, aber wenn Sie das in der Prüfung auch so sehen, kann ich Ihnen leider nicht weiterhelfen, Herr B."
Odessa... das klang wie diese Sauerkrautsorte in Dosen im Supermarkt. Genau, einkaufen musste sie auch noch. Wovon sprachen die eigentlich? Und wie, zur Hölle, kam dieser Ort in ihren Kopf?
"Frau... Ach jetzt hab ich Ihren Namen vergessen..." - "Frau S." - "Achja, Frau S... Wären Sie so nett uns die Aufgabenlösung vorzustellen?" - "Nein, tut mir Leid, das geht nicht. Ich habe mich gerade gedanklich eingehend mit komplexen geografischen Problemen befasst und war somit nicht in der Lage..." Autsch. Könnte jemals ein Mensch sie verständnisloser anschauen als dieser gerade eben jetzt? Zweifellos. Doch sein Maß an zur Schau gesteller Verständnislosigkeit war schon recht rekordverdächtig.
"Ich verstehe euch junge Menschen nicht! Da sind Sie schon hier, um etwas zu lernen, aber die Motivation scheinen Sie daheim vergessen zu haben!"
Sein kahles Haupt sah ein bisschen aus wie die Spitze eines Penis während sich sein unförmiger Körper in wackelnden Bewegungen um die Seminartische schob. Hobbycholeriker mit Taschenuhr. Ein seltsames Männchen, von dem sie sich täglich aufs Neue fragte, was ihn so zerstört hatte. Eine Frau? Sein Pessimismus? Seine ewige Unzufriedenheit mit Allem?
"Frau S.! Jetzt lassen Sie das doch mal bitte! Diese ewigen Tagträume! Sie könnten zumindest so tun, als würden Sie mir zuhören!" Sie gluckste ein bisschen vor sich hin, grinste ihn frech an und schwor sofortige Besserung, so dass er ein mildes Lächeln kaum unterdrücken konnte.
"Hmpf. Ist sowieso Zeit für ne Mittagspause. Verschwinden Sie aus meinem Seminarraum! Aber seien Sie bloß pünktlich wieder da!"
Diese elend langen Gänge. Grau in grau. So musste man sich in einem Gefängnis fühlen. Fenster gab es nur zum Durchschauen, nicht zum Öffnen. Die Sonne schien nie so hell wie draußen durch die getönten Scheiben der Großraumbüros, wenn sie denn Fenster besaßen. Sie fühlte sich unwillkürlich an ihre Karriere im Supermarkt im Kellergeschoss eines Einkaufszentrums erinnert. Man erriet das Wetter draußen regelmäßig durch das Erscheinungsbild der Kunden. Tropfende Schirme oder ärmellose Tops und kurze Hosen. Schwerste Detektivarbeit.
"Sissi, was gibts zum Essen?" - "Hm?" - "Ach Gott, das darf ja nicht wahr sein! Du träumst ja sogar in den Pausen!" - "Tschuldigung. Ist ein Geburtsfehler."
WG121 - 4. Aug, 17:12

