day 1
Wie ich mir ein Taxi rufe. "In die C-Straße, bitte." - "Ja, woher soll ich denn jetzt wissen, wo das ist?" - "Das hier ist ein 2000 Seelen-Kaff und hat nur fünf Straßen?" - "Ja, aber..." - "Ok, ich stell mich an die Bushaltestelle, die werden Sie ja wohl finden."
Wie mir der Taxifahrer später erklärt, wie mein Dorf vor 50 Jahren aussah, und wie er vor kurzem eine jahrhundertealte topografische Karte der Region ausgegraben hätte. Und ob ich denn den Huber kenne. Und den Meier. Und den Anderen. Und der wäre ja schon etwas länger tot. Und früher standen hier ja sowieso nur drei Häuser.
Wie ich am Startbahnhof mit dem Kioskbesitzer schwatze, ihm einen Cappuccino, ein viel zu süßes Gebäckteil und einen "Stern" abkaufe, den ich kurz danach wieder einmal voller Inbrunst in eine Mülltonne trete. Wo es denn hingehen soll, fragt er mich. Ich weiß es nicht, antworte ich.
Wie ich in der Münchner Bahnhofsbuchhandlung eine Ausgabe von Frischs Montauk erstehe, und wie doof ich Ranickis lobhudelnden Klappentext finde. Mutwillig zusammengeklopfte Adjektive.
Wie das ältere koreanische Pärchen versucht seinen 80 Kilo Koffer irgendwo in unserem Abteil zu verstauen, bis ich ihnen gestikulierend klarmachen kann, dass es ok ist, wenn sie das Teil einfach auf dem Boden zwischen den Sitzen stehenlassen. Wie er in einem Reiseführer mit der Aufschrift Germany blättert, so dick oder dünn wie mein Montauk.
Wie mich nach der Hälfte der Strecke die Klimaanlage fast umbringt und ich nicht mehr sitzen mag, aufspringen will. Fulda. Dann steig ich eben in Fulda aus.
Wie es just als wir in Hamburg einfahren beginnt zu regnen.
Wie ich wiedereinmal konsequent zuerst in die entgegengesetzte Richtung gehe.
Wie ich ziellos durch die Stadt wandere, eine Stadt, die ich nicht kenne. Ohne Karte. Orientierung trainierend. Wie ich auf Anhieb dort lande, wo ich hinwollte. Wie ich mich nahtlos in die Landschaft füge. Wie ich ohne Probleme wieder zurück finde.
Wie verloren ich mich fühle.
Wie die Ampel den Countdown herunterzählt. Noch zehn Sekunden bis grün. Neun. Acht. Sieben...
Wie die Rezeptionsdame im Hotel mich komisch anschaut, mich mit meinem viel zu voll gepackten Rucksack, den von der Zugfahrt verzottelten Haaren und den schlecht sitzenden Klamotten.
Wie dieser Typ, mich einbeinig anspringt, als ich aus dem Fahrstuhl steige und sich dann verschämt entschuldigt, dachte er doch, das Gefährt wäre leer.
Wie ich Brüno im Kino ertrage und die zwei Mädels neben mir.
Wie sie sich die Augen zuhält, als man seinen Penis tanzen sieht. Kann ich wieder aufmachen? Isses jetzt weg?
Wie der Typ neben mir ganz furchtbar sympathisch kichert.
Und wie schade, dass zum Ende der Vorstellung das Licht wieder angeht.
Wie ein Tag zu Ende geht, der viel zu lang war und zugleich viel zu kurz.
Wie mir der Taxifahrer später erklärt, wie mein Dorf vor 50 Jahren aussah, und wie er vor kurzem eine jahrhundertealte topografische Karte der Region ausgegraben hätte. Und ob ich denn den Huber kenne. Und den Meier. Und den Anderen. Und der wäre ja schon etwas länger tot. Und früher standen hier ja sowieso nur drei Häuser.
Wie ich am Startbahnhof mit dem Kioskbesitzer schwatze, ihm einen Cappuccino, ein viel zu süßes Gebäckteil und einen "Stern" abkaufe, den ich kurz danach wieder einmal voller Inbrunst in eine Mülltonne trete. Wo es denn hingehen soll, fragt er mich. Ich weiß es nicht, antworte ich.
Wie ich in der Münchner Bahnhofsbuchhandlung eine Ausgabe von Frischs Montauk erstehe, und wie doof ich Ranickis lobhudelnden Klappentext finde. Mutwillig zusammengeklopfte Adjektive.
Wie das ältere koreanische Pärchen versucht seinen 80 Kilo Koffer irgendwo in unserem Abteil zu verstauen, bis ich ihnen gestikulierend klarmachen kann, dass es ok ist, wenn sie das Teil einfach auf dem Boden zwischen den Sitzen stehenlassen. Wie er in einem Reiseführer mit der Aufschrift Germany blättert, so dick oder dünn wie mein Montauk.
Wie mich nach der Hälfte der Strecke die Klimaanlage fast umbringt und ich nicht mehr sitzen mag, aufspringen will. Fulda. Dann steig ich eben in Fulda aus.
Wie es just als wir in Hamburg einfahren beginnt zu regnen.
Wie ich wiedereinmal konsequent zuerst in die entgegengesetzte Richtung gehe.
Wie ich ziellos durch die Stadt wandere, eine Stadt, die ich nicht kenne. Ohne Karte. Orientierung trainierend. Wie ich auf Anhieb dort lande, wo ich hinwollte. Wie ich mich nahtlos in die Landschaft füge. Wie ich ohne Probleme wieder zurück finde.
Wie verloren ich mich fühle.
Wie die Ampel den Countdown herunterzählt. Noch zehn Sekunden bis grün. Neun. Acht. Sieben...
Wie die Rezeptionsdame im Hotel mich komisch anschaut, mich mit meinem viel zu voll gepackten Rucksack, den von der Zugfahrt verzottelten Haaren und den schlecht sitzenden Klamotten.
Wie dieser Typ, mich einbeinig anspringt, als ich aus dem Fahrstuhl steige und sich dann verschämt entschuldigt, dachte er doch, das Gefährt wäre leer.
Wie ich Brüno im Kino ertrage und die zwei Mädels neben mir.
Wie sie sich die Augen zuhält, als man seinen Penis tanzen sieht. Kann ich wieder aufmachen? Isses jetzt weg?
Wie der Typ neben mir ganz furchtbar sympathisch kichert.
Und wie schade, dass zum Ende der Vorstellung das Licht wieder angeht.
Wie ein Tag zu Ende geht, der viel zu lang war und zugleich viel zu kurz.
sallypoppins - 4. Aug, 19:08




